Vier historische Häuser am Domhof 5 bis 8 machen sichtbar, wie in Zwickau über Jahrhunderte gebaut, gewohnt, verändert und schließlich gerettet wurde. Ursprünglich bestand das Ensemble aus zwölf Häusern. Heute bilden die vier erhaltenen Bauten den historischen Teil des Museums.
Der stärkste Zeitzeuge steckt im Bau selbst: Ein Holz aus der Erdgeschossdecke von Domhof 7 wurde auf das Jahr 1264 datiert. Die Häuser sind damit keine unveränderte Kulisse aus einer einzigen Epoche. Mittelalterlicher Kern, spätere Umbauten, lange Wohnnutzung und die Sanierung bis 2003 liegen übereinander.
Weitere Zwickauer Museen, Kulturorte und Freizeitgeschichten bündelt der Bereich Kultur und Freizeit.
Was die vier Priesterhäuser über das alte Zwickau zeigen
Die vier Priesterhäuser zeigen altes Zwickau als gewachsenen Wohnort, nicht als eingefrorenes Bild des Mittelalters. Ihre geschlossene Baugruppe mit zwei Geschossen und steilen Satteldächern bewahrt Spuren verschiedener Zeiten. Nach Darstellung des Museums handelt es sich um das älteste erhaltene Wohnbauensemble Sachsens.
Dabei sind vier und zwölf keine widersprüchlichen Angaben. Zwölf Gebäude gehörten ursprünglich zum Ensemble. Vier historische Häuser sind heute als Domhof 5 bis 8 Teil des Museums.
Ein Deckenholz verschob die Datierung bis ins Jahr 1264
Die frühe Baugeschichte wurde erst während Sanierung und bauarchäologischer Untersuchung deutlich. Zuvor waren die Häuser dem 15. oder 16. Jahrhundert zugerechnet worden. Dann datierten dendrochronologische Untersuchungen ein Holz der Erdgeschossdecke von Domhof 7 auf 1264; archäologische Befunde stützten die frühe Einordnung.
Das Datum gilt konkret für dieses untersuchte Holz. Es macht nicht jedes sichtbare Bauteil und nicht alle vier Häuser zu unverändert erhaltenen Bauten von 1264. Nach Angaben des Museums bestand das Ensemble spätestens 1466 in seiner heutigen Grundstruktur. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beschreibt den Kern der Bauten als Werk des 13. Jahrhunderts und nennt Veränderungen im 15. und 16. Jahrhundert.
Gerade diese Schichten tragen den Erkenntniswert. Nach Darstellung der Stiftung blieben spätmittelalterliche Baugestalt, Raumaufteilung und Ausstattung an Dach, Mauerwerk, Türen, Treppen und Küchen erhalten. Der Befund erzählt deshalb nicht nur, wie alt die Häuser sind. Er zeigt auch, wie sie weitergebaut und an neue Bedürfnisse angepasst wurden.
Die Treppe auf der folgenden Aufnahme gehört zu diesem über Jahrhunderte veränderten Innenraum. Das sichtbare Geländer wird auf der Originalseite dem 17. Jahrhundert zugeordnet. Es ist nicht das auf 1264 datierte Deckenholz.

ⓘ Bildnachweis
© Catatine / Wikimedia Commons · CC0 1.0 Public Domain Dedication; kommerzielle Nutzung und Bearbeitung ohne Bedingungen zulässig (https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/)Der Name führt zu St. Marien und zur Lateinschule
Der Name erklärt, für wen die Häuser zunächst bestimmt waren. „Priesterhäuser“ ist in einem Zwickauer Ratsprotokoll von 1521 belegt. In den Gebäuden wohnten Geistliche und weitere Bedienstete der benachbarten Kirche St. Marien. Auch Lehrer der nahen Lateinschule waren dort untergebracht.
Damit lag am Domhof nicht nur eine Reihe alter Wohnhäuser. Das Quartier verband Kirche, Schule und Wohnen räumlich miteinander. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz nennt den lutherischen Pfarrer und Dramatiker Paul Rebhun sowie den Bach-Schüler Johann Ludwig Krebs als bekannte Bewohner. Das sind belegte Beispiele, keine vollständige Bewohnerliste.
Eine ergänzende Perspektive auf den Domhof und seine Musikgeschichte bietet der Beitrag über Robert Schumanns Zwickauer Orte.
Aus Wohnhäusern wurde ein gerettetes Museum
Die Nutzung als Wohnraum endete erst im 20. Jahrhundert. Bis 1880 blieben die Priesterhäuser in kirchlichem Besitz, danach gingen sie in kommunales Eigentum über. Bewohnt wurden sie noch bis in die 1970er Jahre.
Diese lange Linie ist entscheidend: Die Gebäude wurden nicht seit dem Mittelalter wie Ausstellungsstücke bewahrt. Menschen nutzten sie, Eigentümer wechselten, Bauteile wurden verändert. Zugleich überstanden die Häuser die sozialistische Umgestaltung des historischen Stadtkerns, bei der nach Museumsangaben ein großer Teil der mittelalterlichen Bebauung verloren ging.
Mitte der 1980er Jahre reichten die Rekonstruktionsbemühungen nur für eine Notsicherung. In den 1990er Jahren ermöglichten Programme von Bund und Land sowie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz die denkmalgerechte Sanierung. Die Stiftung nennt dafür die Förderjahre 1993 bis 1996 und 1999.
Am 9. Mai 2003 war die rund zehnjährige Rekonstruktion abgeschlossen. Die symbolische Schlüsselübergabe an den Zwickauer Oberbürgermeister markierte den Wechsel vom gesicherten Denkmal zum heutigen Museumsort.
Wie das Museum Baugeschichte und Zwickauer Stadtgeschichte verbindet
Das Museum trennt den historischen Bau von der größeren Stadtchronik. In Domhof 5 bis 8 werden Bauphasen, architektonische Besonderheiten und restauratorische Befunde der Häuser vermittelt. Ein moderner Ergänzungsbau nimmt technische Anlagen auf, schafft zusätzliche Ausstellungsfläche und beherbergt auch das Brauhaus.
Schlafkammer, Gelehrtenstube und Rußküchen machen nach Angaben des Museums Wohnen und Leben um 1500 anschaulich. Diese Räume sind Zugänge der Ausstellung. Sie dürfen nicht pauschal als vollständig originale, seit 1500 unveränderte Wohnräume verstanden werden.
Das gilt auch für die folgende Rußküche. Die Aufnahme zeigt eine museale Präsentation; die Originalseite nennt Küchengerät aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Das Bild dokumentiert weder einen unveränderten Zustand um 1500 noch eine vollständig originale Raumausstattung.

ⓘ Bildnachweis
© Catatine / Wikimedia Commons · CC0 1.0 Public Domain Dedication; kommerzielle Nutzung und Bearbeitung ohne Bedingungen zulässig (https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/)Eine Auswahl archäologischer Funde aus dem Areal der Priesterhäuser und dem übrigen Stadtgebiet erweitert den Blick über die Räume hinaus. Die historischen Häuser behandeln die Anfänge Zwickaus. Im modernen Anbau reichen die ausgestellten Zeugnisse der Stadtgeschichte vom 14. bis zum 20. Jahrhundert.
Die stadtgeschichtliche Sammlung setzt noch früher an: beim Straßenmarkt des 12. Jahrhunderts. Sie führt über den Aufschwung durch den Silberbergbau im 15. Jahrhundert bis zur späteren Prägung Zwickaus durch Steinkohlenbergbau und Begleitindustrie. Das sind Themen der Sammlung, keine Behauptung, all diese Entwicklungen hätten sich in den vier Priesterhäusern abgespielt.
Alltagsgegenstände, Werkzeuge und Handwerkserzeugnisse, Waffen, Möbel, Kleidung, Wäsche und Spielzeug ergänzen die kulturgeschichtliche Perspektive. Im Dachgeschoss von Domhof 5 behandelt ein eigener Bereich die Reformation und ihr religiös-gesellschaftliches Umfeld in Zwickau.
Öffnungszeiten und Eintritt mit Stand 15. August 2026
Für einen Besuch gelten nach Betreiberangaben derzeit folgende Basisdaten: Die Priesterhäuser liegen am Domhof 5 bis 8. Geöffnet ist dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 11.30 bis 17 Uhr. Karfreitag, Heiligabend und Silvester nennt der Betreiber als Schließtage.
Der reguläre Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt. Am ersten Mittwoch im Monat ist der Eintritt ebenfalls frei.
Das Kombiticket für Priesterhäuser, Kunstsammlungen Zwickau und Robert-Schumann-Haus kostet 10 Euro, ermäßigt 7 Euro. Es gilt für einen Öffnungstag.
Öffnungszeiten, Schließtage, Preise, Freiregelungen und Ausstellungsinhalte können sich ändern. Die Angaben wurden am 15. August 2026 geprüft und sollten unmittelbar vor dem Besuch noch einmal auf den Betreiberseiten kontrolliert werden. Weitere veröffentlichte Nachrichten und Hintergründe aus der Stadt stehen im Bereich Zwickau.
Was am Domhof bleibt, sind vier Häuser mit vielen Zeitschichten. Das Holz von 1264 steht am Anfang der belegten Baugeschichte; die Schlüsselübergabe von 2003 markiert den Beginn ihres heutigen Lebens als Museum.




