Zwickau wurde nicht durch eine einzige Marke zur Autostadt. Der dauerhafte industrielle Anfang liegt 1904 bei Horch. Daraus gingen in Zwickau Audi und später zwei Marken der Auto Union hervor. Nach Rüstungsproduktion, KZ-Zwangsarbeit und dem Nachkriegsbruch bündelte der VEB Sachsenring die früheren Werke und fertigte mehr als drei Millionen Trabant. 1990 begann in Mosel bereits die Polo-Montage, während der Trabant 1.1 noch bis April 1991 weitergebaut wurde. Seit Juni 2020 produziert das Volkswagenwerk ausschließlich Elektroautos.
Diese Linie ist eine Verbindung, keine ununterbrochene Firmengeschichte. Das historische Audi-Areal an der Audistraße 7/9 und das Fahrzeugwerk in Mosel sind verschiedene Orte. Horch, Audi, Auto Union, Sachsenring und Volkswagen sind ebenso wenig ein und dasselbe Unternehmen. Gerade die Wechsel zwischen ihnen erklären, warum Zwickau seit mehr als einem Jahrhundert ein Automobilstandort geblieben ist. Weitere Beiträge zu Unternehmen und Standortwandel bündelt der Bereich Wirtschaft.
1904 beginnt mit Horch der dauerhafte Automobilbau in Zwickau
Horch legte 1904 den industriellen Grundstein, Audi entstand wenige Jahre später aus einem Bruch. Am 10. Mai ließ August Horch die A. Horch & Cie. Motorenwerke AG in das Zwickauer Handelsregister eintragen. Damit begann die dauerhafte Automobilproduktion am Standort.
Die zweite Zwickauer Marke entstand nicht als neue Abteilung von Horch. August Horch schied 1909 nach internen Auseinandersetzungen aus und gründete in unmittelbarer Nachbarschaft ein weiteres Unternehmen. Weil der Name Horch geschützt war, wählte er die lateinische Übersetzung: Audi. Der Handelsregistereintrag als Audi Automobilwerke mbH folgte am 25. April 1910.
Der Ort ist bis heute erkennbar. Das Audi-Gründungsareal an der heutigen Audistraße 7/9 lag neben den damaligen Horchwerken. Später wurde es Sachsenring Werk II, heute gehört es zum August Horch Museum. Zwickaus frühe Autogeschichte besteht damit nicht nur aus zwei bekannten Namen. Sie lässt sich an einem erhaltenen Produktionsareal festmachen.
Die Auto Union verband vier Marken und führte in die Kriegswirtschaft
Die Auto Union machte Horch und Audi zu Teilen eines größeren Konzerns – und ihre Geschichte führte im Nationalsozialismus in Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit. Am 29. Juni 1932 gingen Audiwerke, Horchwerke und DKW auf Initiative der Sächsischen Staatsbank in der Auto Union AG auf. Wanderers Automobilabteilung wurde über Kauf- und Pachtverträge einbezogen. Der Sitz lag in Chemnitz, nicht in Zwickau. Zwickau brachte aber mit Horch und Audi zwei der vier Marken und bedeutende Werke ein.
Die vier Ringe standen für eine abgestimmte Aufteilung des Marktes. DKW baute Motorräder und Kleinwagen, Wanderer bediente die Mittelklasse, Audi die gehobene Mittelklasse und Horch das Luxussegment. Die Zwickauer Werke waren also wichtig, aber Teil eines sächsischen Konzerns mit weiteren Standorten.
Diese Industriegeschichte ist keine reine Erfolgschronik. Im Zweiten Weltkrieg fertigte der Auto-Union-Konzern Rüstungsgüter, darunter Halbkettenfahrzeuge, Panzermotoren, Lastwagen, Raupenschlepper, Torpedos und Maschinengewehre. Die Produktion war mit Zwangsarbeit verbunden.
Für das Zwickauer Horch-Werk bestand ab September 1944 ein Außenlager des KZ Flossenbürg. Die von der Stadt veröffentlichte Museumsdarstellung nennt zunächst 210 Häftlinge; im Februar 1945 waren es 966 Insassen. Der einschlägige Bestand des Sächsischen Staatsarchivs enthält zudem Fremd- und Zwangsarbeiternachweise der Vorgängerbetriebe. Diese Belege tragen die zentrale Einordnung. Eine vollständige Lager- oder Opfergeschichte lässt sich daraus ohne weitere Aktenauswertung nicht ableiten.
Sachsenring machte den Trabant zur Zwickauer Großserie
Sachsenring führte die enteigneten Nachkriegswerke zusammen und machte aus dem Trabant eine Großserie. Zuvor war der Bruch deutlich: Das Staatsarchiv dokumentiert Demontage, Enteignung und Reparationen. Unmittelbar nach 1945 fertigten die Zwickauer Werke zunächst auch Schrotmühlen und Tretautos, später neben Pkw ebenso Lastwagen und Traktoren. Erst am 1. Mai 1958 wurden die Nachfolger der Horch- und Audi-Werke zum VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau vereinigt.
Der Trabant war zu diesem Zeitpunkt bereits angelaufen. Die Vorserie des zunächst P50 genannten Kleinwagens begann am 7. November 1957, die Serienproduktion 1958. Frontantrieb, Zweizylinder-Zweitaktmotor und eine Außenhaut aus Duroplast prägten das Auto.
Duroplast war mehr als die später oft belächelte „Plaste“. Baumwollabfälle und Phenolharze aus heimischer Braunkohle verringerten den Bedarf an importiertem Tiefziehblech. Das Material war damit eine technische Lösung unter den Rohstoff- und Devisenbedingungen der DDR. Das August Horch Museum hebt zudem die patentierte Fertigungsanlage und die vergleichsweise einfache Reparatur einzelner Karosserieteile hervor.
Ab 1964 wurde der P601 gebaut. Mehr als 2,8 Millionen Fahrzeuge dieser Baureihe entstanden bis 1991. Mehrere Nachfolger- und Modernisierungsprojekte erreichten dagegen keine Serienfertigung. Der Trabant 1.1 mit einem in Lizenz produzierten VW-Viertaktmotor kam erst spät.
Über alle Baureihen hinweg wurden zwischen 1957 und 1991 in Zwickau mehr als drei Millionen Trabant gefertigt. Sicher ist das Ende: Am 30. April 1991 verließ der letzte Trabant die Zwickauer Montagehallen und wurde unmittelbar in den Museumsbestand übernommen.
1990 liefen Trabant und Volkswagen zeitweise parallel
Volkswagen löste den Trabant nicht an einem einzigen Stichtag in ganz Zwickau ab. Am 21. Mai 1990 begann im damaligen IFA-Werk Mosel die Montage des Polo. Gleichzeitig lief der Trabant 1.1 an den Zwickauer Anlagen noch bis zum 30. April 1991 weiter. Für fast ein Jahr gehörten beide Produktionen zur Wirklichkeit der Stadt.
Auch institutionell war der Übergang kein bloßer Namenswechsel. Die Volkswagen Sachsen GmbH wurde am 12. Dezember 1990 in das Handelsregister eingetragen. Im Februar 1991 begann in Mosel die Golf-Produktion. Volkswagen setzte damit den Zwickauer Automobilbau fort, war aber nicht einfach der umbenannte VEB Sachsenring.
Die räumliche Grenze verhindert einen weiteren Kurzschluss. Wenn die Volkswagen-Chronik beschreibt, dass der Trabant in Mosel dem Polo Platz machte, gilt das für diesen konkreten Werksübergang. Für die gesamte Stadt wäre die Aussage zu früh: Anderswo in Zwickau wurde der Trabant 1.1 noch bis Ende April 1991 gefertigt.
Bis Juni 2020 entstanden nach Angaben von Volkswagen in Zwickau 6.049.207 Volkswagen mit Verbrennungsmotor. Die Zahl bezieht sich auf VW-Modelle seit 1990. Sie darf weder als Trabant-Zahl gelesen noch mit der Trabant-Produktion zu einer vermeintlichen Gesamtsumme addiert werden.
Seit 2020 ist das Moseler Großwerk ein Elektrostandort
Für die vollständige Umrüstung des Moseler Großwerks auf Elektromobilität investierte Volkswagen nach eigenen Angaben rund 1,2 Milliarden Euro. Die Serienproduktion des ID.3 begann am 4. November 2019. Am 26. Juni 2020 lief der letzte Volkswagen mit Verbrennungsmotor vom Band. Seitdem produziert das Fahrzeugwerk ausschließlich Elektroautos.
Im April 2025 folgte der nächste Meilenstein: In Zwickau entstand das einmillionste Elektroauto. Der Wechsel war damit nicht nur ein Modelltausch. Produktionsanlagen, Abläufe und die Mehrmarkenfertigung wurden auf eine andere Antriebstechnik ausgerichtet.
Die heutigen Größenordnungen sind ein datierter Betreiberstand, keine Garantie für die Zukunft. Stand Dezember 2025 nennt Volkswagen für das Fahrzeugwerk 8.000 Stammbeschäftigte und 212.000 produzierte Fahrzeuge im Jahr 2025. Gefertigt wurden sechs Elektroautomodelle der Marken Volkswagen, Audi und Cupra; hinzu kamen Luxuskarosserien. Modellpalette, Beschäftigung und Produktionszahlen können sich ändern und müssen unmittelbar vor einer Veröffentlichung erneut geprüft werden.
Im August Horch Museum wird die Verbindung der Epochen sichtbar
Das August Horch Museum verbindet die Epochen am historischen Audi-Gründungsort. Sein Areal an der Audistraße 7/9 wurde später als Sachsenring Werk II genutzt. Die Dauerausstellung führt von Horch und Audi über Auto Union und Trabant bis Volkswagen. Auch der letzte Trabant, der am 30. April 1991 die Montage verließ, gehört zum Museumsbestand.

ⓘ Bildnachweis
© Derbrauni / Wikimedia Commons · Creative Commons Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0)Der Ort macht die frühe Unternehmens- und Sachsenringgeschichte greifbar. Das Volkswagenwerk in Mosel steht dagegen für die Entwicklung seit 1990 und den Umbau zur Elektromobilität. Wer beide Orte auseinanderhält, erkennt die eigentliche Kontinuität: Nicht eine Firma blieb unverändert, sondern Zwickau hielt den Automobilbau durch mehrere politische, wirtschaftliche und technische Brüche hindurch.
Wer die frühe Zwickauer Automobilgeschichte vor Ort nachvollziehen will, findet ihren konkreten Ausgangspunkt an der Audistraße 7/9 im August Horch Museum. Weitere lokale Museen und Erinnerungsorte stehen im Bereich Kultur und Freizeit. Weitere veröffentlichte Nachrichten und Hintergründe aus der Stadt bündelt die Seite Zwickau.




