Das Wichtigste zuerst. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sieht wegen der Wirtschaftlichkeit eine Zukunft für das VW-Werk in Zwickau-Mosel. Volkswagen selbst hat für die Zeit ab 2031 aber weiterhin weder ein Modell noch ein Produktionsvolumen zugesagt.

Kretschmers Urteil ist eine politische Einschätzung und keine Standortgarantie des Konzerns. Für die rund 8.000 Beschäftigten bleibt deshalb die entscheidende Frage offen. Was wird in Mosel gebaut, wenn die heutige Vereinbarung Ende 2030 ausläuft?

Effizienz ist noch keine Zukunftszusage

Kretschmer bezeichnete Zwickau-Mosel im ZDF als effizientestes VW-Werk Deutschlands. Wenn Volkswagen seine Standorte nach Wirtschaftlichkeit bewerte, habe das Werk aus seiner Sicht auf jeden Fall eine Zukunft.

Vergleichbare Kennzahlen für ein solches Ranking nannte Kretschmer nicht. VW-Chef Oliver Blume erklärte zugleich, der Konzern könne für Zwickau und drei weitere deutsche Standorte derzeit keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre darstellen. Die Schließung eines bestimmten Werks sei allerdings nicht beschlossen.

Schon am 27. August hatte Kretschmer mögliche neue Fahrzeuge ins Gespräch gebracht. Volkswagen habe neue Produktion für das effizienteste Werk in Aussicht gestellt. Einen Modellnamen, eine Stückzahl oder einen Vergabezeitpunkt nannte er nicht.

Für Zwickau ist dieser Unterschied entscheidend. Eine gute Kostenposition kann das Werk im internen Wettbewerb stärken. Sie füllt aber keine Produktionslinie und ersetzt keinen Beschluss des Vorstands.

Was in Mosel bis 2030 feststeht

Die Vereinbarung Zukunft Volkswagen sichert die Beschäftigung tariflich bis Ende 2030. In Zwickau sollen weiterhin der Audi Q4 e-tron und der Q4 e-tron Sportback gebaut werden. Ab 2027 konzentriert Volkswagen die Fahrzeugproduktion jedoch auf eine Linie.

Damit schrumpft der Fahrzeugbau schon vor dem Ende der Sicherung. Im Werk arbeiten derzeit rund 8.000 Menschen. Nach Angaben des MDR waren es früher etwa 11.000. Mehr als 1.000 weitere Stellen sollen nach bereits gefassten Plänen wegfallen.

Das Werk hat bereits einen tiefen Umbau hinter sich. Volkswagen investierte nach eigenen Angaben 1,2 Milliarden Euro in die vollständige Umstellung auf Elektromobilität. Im Jahr 2024 liefen in Mosel rund 204.000 Fahrzeuge vom Band.

Für die Beschäftigten ergibt sich eine klare Zeitachse. Bis Ende 2030 schützt der Tarifvertrag die Beschäftigung. Ab 2027 arbeitet die Fahrzeugproduktion nur noch auf einer Linie. Für 2031 und die Jahre danach fehlt eine konkrete Anschlussbelegung.

Das zweite Standbein ersetzt kein neues Modell

Seit Januar 2026 ist Zwickau Volkswagens Kompetenzzentrum für Kreislaufwirtschaft. Der Konzern plant dafür Investitionen von bis zu 90 Millionen Euro. Sachsen unterstützt das Vorhaben mit rund 10,7 Millionen Euro.

Der neue Bereich soll schnell wachsen. Im Jahr 2026 beginnt die Erprobung mit 500 Fahrzeugen. Bis 2030 soll die Kapazität auf bis zu 15.000 Fahrzeuge pro Jahr steigen.

Das schafft ein zusätzliches industrielles Standbein. Das sächsische Wirtschaftsministerium beschreibt es jedoch ausdrücklich als Ergänzung zur Fahrzeugproduktion und nicht als Ersatz. Die Demontage kann die offene Frage nach einem neuen Serienmodell deshalb nicht allein beantworten.

Kretschmers Kostenrezept führt in einen Tarifkonflikt

Kretschmer fordert außerdem niedrigere Energiepreise, weniger Regulierung und längere Arbeitszeiten. Neue Subventionen des Landes hält er nicht für die Lösung. Besonders umstritten ist sein Vorschlag, von 35 auf 40 Wochenstunden zu wechseln, ohne den Wochenlohn zu erhöhen.

Beschlossen ist das nicht. Die 35-Stunden-Woche gilt an den sächsischen VW-Standorten erst seit Anfang 2026 im VW-Haustarif. Eine Änderung müssten Volkswagen und die Arbeitnehmerseite miteinander aushandeln.

Die Rechnung zeigt die Folge für die Beschäftigten. Fünf zusätzliche Stunden bedeuten 14,3 Prozent mehr Arbeitszeit. Bei gleichem Wochenlohn sinkt der Lohn je Stunde um 12,5 Prozent.

Die IG Metall lehnt den Vorstoß ab. Sie sieht die entscheidenden Aufgaben beim Absatz, bei der Produktpolitik und bei den politischen Rahmenbedingungen. Längere Arbeitszeiten lösen aus ihrer Sicht das fehlende Modell für Zwickau nicht.

Blume hält die Kosten dennoch für einen zentralen Faktor. Nach seiner Darstellung liegen die Arbeitskosten in Zwickau bei mehr als dem Doppelten vergleichbarer europäischer Standorte. Auch die Fabrikkosten seien anderswo deutlich niedriger. Welche Standorte und Kennzahlen Blume dabei miteinander vergleicht, führte er nicht aus.

Für Zwickau bleiben drei Antworten aus

Kretschmers Effizienzlob erhöht den politischen Druck auf Volkswagen. Praktische Sicherheit entsteht daraus erst, wenn der Konzern drei Punkte festlegt.

Zwickau braucht ein konkretes Modell, ein tragfähiges Produktionsvolumen und einen verlässlichen Zeitraum für die Jahre ab 2031. Bis Ende 2030 bleibt die Beschäftigung tariflich gesichert und das Werk industriell im Umbau. Ob danach weiter Fahrzeuge in Mosel vom Band laufen, ist noch nicht entschieden.