Am Freitag, 4. September, entscheiden die Mitglieder des FSV Zwickau in der GGZ Arena über ein überraschend kleines Detail. Sollen die drei Schwäne im Vereinswappen Augen haben? Dahinter steht die größere Weichenstellung. Das historische Sachsenring-S soll den bisherigen Fußball ersetzen, genau elf rot-weiße Streifen sollen festgeschrieben werden. Dafür ist eine Zweidrittelmehrheit nötig.
Die außerordentliche Mitgliederversammlung beginnt um 18 Uhr auf der Haupttribüne, Einlass ist ab 17 Uhr. Neben dem neuen Logo stehen eine Satzungsänderung, das neue Leitbild und der FSV-Kodex zur Abstimmung.
Die Mitglieder entscheiden bis ins kleinste Wappendetail
Zuerst geht es um eine kleine Linie mit sichtbarer Wirkung. Die Mitglieder wählen zwischen Schwänen mit und ohne Augen. Anschließend sollen sie über die Einführung des gesamten neuen Logos entscheiden.
Der Kern des Entwurfs liegt an anderer Stelle. Wo das aktuelle Wappen einen Fußball auf blauem Grund zeigt, soll künftig das Sachsenring-S stehen. Die vorgeschlagene Satzungsfassung nennt außerdem exakt elf vertikale Streifen in Rot und Weiß.
Der FSV begründet die Zahl mit den elf Spielern und dem Gedanken der „elf Freunde“. Die Festlegung soll zugleich verhindern, dass das Wappen mit unterschiedlich vielen Streifen dargestellt wird. So wird aus einer Designfrage eine genaue Beschreibung der Vereinsidentität.
Wie die beiden Schwanen-Varianten vollständig aussehen, zeigen die öffentlich zugänglichen Einladungsunterlagen nicht. Auch ein konkreter Termin für den Einsatz des neuen Logos auf Trikots, Internetseiten oder Fanartikeln ist dort nicht genannt.
Warum der Logo-Beschluss eine Satzungsfrage ist
Ball, Schwäne, Schriftzug und Streifen gehören bereits zur geltenden Satzungsbeschreibung. Deshalb reicht für den Austausch des Balls kein einfacher Gestaltungsbeschluss.
Nach der veröffentlichten Satzung des FSV Zwickau müssen zwei Drittel der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder der Änderung zustimmen. Beschlussfähig ist die Versammlung nur, wenn mindestens fünf Prozent der stimmberechtigten Mitglieder teilnehmen.
Wird dieses Quorum verfehlt, müsste der Vorstand binnen acht Wochen eine zweite Versammlung einberufen. Sie wäre unabhängig von der Zahl der Teilnehmenden beschlussfähig.
Auch ein erfolgreiches Votum am 4. September wäre noch nicht der letzte formale Schritt. Nach § 71 BGB wird die Satzungsänderung erst mit der Eintragung in das Vereinsregister wirksam.
Wer abstimmen darf und was Mitglieder beachten sollten
Grundsätzlich stimmberechtigt sind nach der Vereinssatzung Mitglieder, die mindestens 18 Jahre alt sind, seit wenigstens sechs Monaten dem FSV angehören und deren Mitgliedschaft nicht ruht. Eine Ausnahme gilt für aktive Mitglieder mit Spielrecht im Erwachsenenbereich.
Mitglieder mit Beitragsrückständen bittet die Einladung, diese möglichst bis zum 28. August einschließlich des dritten Quartals auszugleichen. Die Versammlung soll gegen 19 Uhr enden, danach ist bis 22 Uhr ein Mitgliederfest geplant.
Parkmöglichkeiten sind auf P1 vorgesehen. Für die Teilnehmenden kündigt der Verein außerdem ein Freigetränk und etwas vom Grill an.
Auch Leitbild und FSV-Kodex stehen zur Abstimmung
Der Abend soll die Vereinsidentität nicht nur grafisch festlegen. Die Mitglieder stimmen auch über das neue Leitbild und den FSV-Kodex ab.
Nach Angaben des FSV beruht der Kodex auf einer Mitglieder- und Fanbefragung mit mehr als 1.200 Teilnehmenden. Bei einem im Mai veröffentlichten Zwischenstand mit knapp 1.000 Antworten wünschten sich demnach mehr als 75 Prozent eine aktivere Positionierung des Vereins bei rassistischen Vorfällen.
Die vollständigen Texte von Leitbild und Kodex enthält das öffentliche Einladungspaket nicht. Mitglieder können die Beschlussvorlagen nach Vereinsangaben per E-Mail an mitglieder@fsv-zwickau.de anfordern.
Was das Sachsenring-S für Zwickau bedeutet
Das S verbindet Fußball- und Industriegeschichte der Stadt. Der heutige FSV führt die BSG Sachsenring Zwickau in seiner Satzung als einen seiner traditionellen Vorgänger. Die Mannschaft trug diesen Namen seit dem 15. Februar 1968. Der FSV Zwickau e.V. entstand zum 1. Januar 1990.
Zugleich verweist das Zeichen auf den Zwickauer Fahrzeugbau. Im VEB Sachsenring Automobilwerke begann 1958 die Serienproduktion des Trabant P50. Archivunterlagen erfassen die Warenzeichen „Sachsenring“, „S im Kreis“ und „Trabant“ für die Jahre 1957 bis 1987.
Auch einer der größten Zwickauer Fußballabende ist mit dem Namen verbunden. Am 17. März 1976 besiegte die damalige BSG Sachsenring Celtic Glasgow vor offiziell 40.024 Zuschauern mit einem Tor zu null und zog ins Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger ein.
Fünfzig Jahre später entscheiden die Mitglieder zunächst über die Augen der drei Schwäne. Ob das Sachsenring-S und genau elf Streifen wirksamer Teil der Satzung werden, hängt danach von der Zweidrittelmehrheit und der Eintragung ins Vereinsregister ab.




