Die Quote liegt fast auf Bundesniveau. Die Entwicklung ist ungünstiger. Im Kreis Zwickau lag die Arbeitslosenquote im August bei 6,6 Prozent, nur 0,1 Prozentpunkte über dem deutschen Wert. Binnen eines Jahres stieg die Zahl der Arbeitslosen vor Ort jedoch um 4,7 Prozent. Bundesweit waren es rund 1 Prozent.

Nach der präzisen Angabe der Agentur für Arbeit Zwickau waren im August 10.463 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 467 mehr als im August 2025 und 227 mehr als im Juli. Der Anstieg hält seit zwei Monaten an: Seit Juni kamen im Landkreis 345 registrierte Arbeitslose hinzu.

Offene Angebote gibt es trotzdem. Ende August waren nach Angaben der Agentur mehr als 2.000 Arbeitsstellen und 272 unbesetzte Ausbildungsplätze gemeldet. Das ist nicht der gesamte Stellenmarkt. Die Zahlen zeigen aber, in welchen Bereichen sich die Suche derzeit besonders lohnen kann.

Fast Bundesniveau, aber die ungünstigere Richtung

Bei der Quote wirkt Zwickau zunächst recht unauffällig. Sachsen lag im August bei 7,3 Prozent, Deutschland bei 6,5 Prozent. Der Kreis steht damit 0,7 Prozentpunkte besser als der Freistaat und beinahe auf Bundesniveau.

Der Vergleich mit dem Vorjahr verändert das Bild. Im August 2025 hatte die Zwickauer Quote noch 6,2 Prozent betragen, im Juli dieses Jahres waren es 6,4 Prozent. Zugleich nahm die Zahl der Arbeitslosen im Kreis binnen eines Jahres um 4,7 Prozent zu. Für Sachsen weisen die gerundeten Eckwerte ein Plus von rund 4 Prozent aus, für Deutschland rund 1 Prozent.

Der übliche Sommer-Effekt gehört zur Einordnung, erklärt die lokale Entwicklung aber nicht automatisch. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit stieg die Arbeitslosigkeit bundesweit im August wegen der anhaltenden Sommerpause um 54.000 auf 3,061 Millionen. Saisonbereinigt blieb davon ein Plus von 4.000.

Seit Juni kamen 345 Arbeitslose hinzu

Im Kreis zeigt die Kurve seit Juni nach oben: 10.118 Arbeitslose im Juni, 10.236 im Juli und 10.463 im August. Innerhalb von zwei Monaten stieg die Zahl damit um 345 Menschen.

Auch die breiter gefasste Unterbeschäftigung nahm zu. Sie lag im August bei 12.560 Menschen und einer Quote von 7,8 Prozent. Das waren 110 Personen mehr als im Juli und 630 mehr als vor einem Jahr.

Diese Kennzahl erfasst neben registrierten Arbeitslosen auch bestimmte Menschen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen oder mit einem besonderen Status. Kurzarbeit ist in dem hier verwendeten Wert nicht enthalten. Die Unterbeschäftigung zeigt deshalb einen größeren Ausschnitt als die Arbeitslosenzahl. Auch dieser Ausschnitt hat sich gegenüber dem Vorjahr vergrößert.

Nach Einschätzung der Agentur betraf der August-Anstieg alle Personengruppen, besonders Jugendliche und junge Erwachsene. Eine belastbare aktuelle Detailzahl für diese Gruppe liegt bislang nicht vor.

Viele offene Stellen – mit begrenzter Aussagekraft

Steigende Arbeitslosigkeit und offene Stellen stehen nebeneinander. Ende August waren der Agentur zufolge mehr als 2.000 Arbeitsplätze gemeldet. Besonders häufig gab es Angebote im Gesundheits- und Sozialwesen, im verarbeitenden Gewerbe und bei Zeitarbeitsfirmen.

Für Jobsuchende sind das konkrete Ansatzpunkte. Die Zahl hat allerdings eine klare Grenze: Sie umfasst nur Stellen, die der Arbeitsverwaltung gemeldet wurden. Sie steht weder für alle offenen Jobs im Landkreis noch beweist sie, dass Bewerberinnen und Bewerber ohne Weiteres zu den angebotenen Stellen passen.

Auch auf dem Ausbildungsmarkt ist noch Bewegung. Ende August waren 272 Ausbildungsstellen unbesetzt, Ende Juli waren es 440. Aus dem Rückgang lässt sich nicht ablesen, wie viele Plätze tatsächlich besetzt, zurückgezogen oder auf andere Weise aus dem Bestand genommen wurden. Für Schulabgängerinnen und Schulabgänger bleibt dennoch eine Auswahl, bei der eine schnelle Suche sinnvoll ist.

Warum die Agentur den Arbeitsmarkt belastet sieht

Agentur-Geschäftsführerin Diana Malolepszy sieht fehlende konjunkturelle Impulse und die Zurückhaltung vieler Unternehmen bei Neueinstellungen als Belastungen für den regionalen Arbeitsmarkt. Das ist ihre Einordnung der aktuellen Lage, keine belegte alleinige Ursache für jeden zusätzlichen Arbeitslosen.

Hinzu kommt ein struktureller, allerdings älterer Befund. Nach der von der Agentur veröffentlichten Beschäftigungsstatistik gab es im Dezember 2025 im Landkreis 118.932 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das waren 4.627 Menschen oder 3,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im verarbeitenden Gewerbe fiel das Minus mit 2.974 Beschäftigten beziehungsweise 8,3 Prozent besonders groß aus.

Diese Beschäftigungszahlen liegen mehrere Monate zurück. Sie erklären den Anstieg im August nicht direkt, liefern aber den Rahmen für die nächsten Werte. Die werden am 30. September 2026 um 10 Uhr veröffentlicht. Dann zeigt sich, ob die Arbeitslosigkeit im Kreis weiter steigt oder die Richtung wechselt.